Charlotte pelgen

Charlotte Pelgen

Im Alter von 12 Jahren entdeckt Charlotte Pelgen die Liebe zur Ukulele und zum Swing. Seit 2016 arbeitet die freiberufliche Musikerin aus Tübingen als Workshop-Dozentin und tritt Solo oder mit dem „Bad Mouse Orchestra“ auf. Ihr herausragendes Spiel, gepaart mit einer samtweichen Stimme, hat sie bereits in 19 Länder geführt. Zahlreiche Auszeichnungen wie der Walter-Jurmann-Preis sowie ein Preis bei den britischen “The Ukies” (Best Ukulele Album 2025) ebnen ihren Weg.​ Ihre Lieder sind inspiriert von der Musik des frühen 20. Jahrhunderts, von deutschen Chansons und europäischem Folk. Sie erzählen kleine, persönliche Geschichten – mal augenzwinkernd, mal nachdenklich, aber stets mit feinem Gespür für Sprache und Melodie.​ Für die Neuauflage von „Die Magie der Ukulele“ hat sie mir ein spannendes Interview gegeben.

Charlotte, wie kam es zu der außergewöhnlichen Liebe zum Swing und wann hast du mit der Ukulele angefangen?

Mein Vater, der auch Berufsmusiker ist, reiste 2007 für ein Konzert nach China und kam mit einer Ukulele nach Hause. Er ist eigentlich in der traditionellen französischen Tanzmusik verwurzelt, beschäftigte sich durch die Ukulele dann aber plötzlich sehr intensiv mit der deutschen Unterhaltungsmusik. Es hat eine Weile gedauert, bis der Funke auf mich übersprang, aber 2009 konnte er mich mit dem Beatles-Stück „I Wanna Be Your Man“ zu meiner ersten Ukulelestunde überzeugen. Und wie das mit der Ukulele oft so ist: Ich war sofort süchtig! Danach hat es nicht lange gedauert, bis auch ich den Charme der Musik des frühen 20. Jahrhunderts verstanden habe. Noch mehr als die deutsche Musik dieser Zeit hat es mir allerdings der frühe amerikanische Swing angetan. Ich stolperte irgendwann zufällig über Videos von Fred Astaire und Cab Calloway und konnte gar nicht fassen, was ich da hörte. Ich erinnere mich noch genau, wie ich dachte: Bessere Musik kann es gar nicht geben! Seitdem ist meine Liebe zu dieser Musik und den Menschen immer weiter gewachsen. Dazu kommt, dass die Ukulele in den 20er- und 30er-Jahren ihren ersten großen Boom in den USA erlebte und damals allgegenwärtig war. Viele Spieltechniken und Arrangements entstanden in dieser Zeit, und die Ukulele passt einfach wunderbar zu den rhythmischen, frechen Liedern von damals!

Magst du auch andere Musikstile und Künstler?

Ja, total! Natürlich schlägt mein Herz für den frühen Swing von den Boswell Sisters, Fats Waller und Annette Hanshaw, aber auch moderne Stimmen wie Silvana Estrada, Oren Lavie, Natalia Lafourcade oder Susanne Sundfør begleiten mich schon lange. Ich liebe Folk-Acts wie die Punch Brothers oder The Milk Carton Kids, Chansons von Jacques Brel und Georg Kreisler, klassische Musik von Schubert und Chopin, Pop von Florence & the Machine und Billie Eilish, Weltmusik aus verschiedensten Ländern sowie die Musik von den Beatles, Joni Mitchell und Bob Dylan. Und natürlich spielt die Ukulele auch beim Hören eine Rolle: Ich höre total gern frühe Ukulele-Künstler wie Cliff Edwards und Art Fowler. Meine Spieltechnik ist zwar sehr geprägt von Roy Smeck, aber ich muss gestehen, dass ich mir lieber Videos von ihm anschaue als seine Platten zu hören.

Kannst du ein paar Worte zu deinen Techniken erzählen und wieviel du übst?

Mich begeistern vor allem die Spielweisen, die im frühen 20. Jahrhundert entwickelt wurden. Dazu gehören bekannte Techniken wie „Triplets“, „Split Stroke“, und „Fan Stroke“. Durch eine Bekanntschaft mit Vincent Cortese, einem ehemaligen Schüler des Ukulele-Virtuosen Roy Smeck, hatten Stefan (Bad Mouse Orchestra) und ich das große Glück, viele originale Techniken und Arrangements zu erlernen, an die man heute sonst kaum noch herankommt. Meine Spielweise ist deshalb stark von Smeck geprägt.
Über die Jahre sammelten sich durch den Austausch mit anderen Musiker*innen und durch die Beschäftigung mit alten Ukulelespielern immer mehr dieser Techniken in meinem „Werkzeugkasten“ an. Diese Techniken festigen sich mit der Zeit und lassen sich dann spontan einsetzen.

Es gibt Phasen, in denen ich sehr intensiv spiele, und andere, in denen ich die Ukulele auch mal über Wochen privat kaum in der Hand habe. Das hängt einfach davon ab, was gerade so los ist. Grundsätzlich lerne ich viel über das regelmäßige Anwenden, Spielen und Ausprobieren. Intensives, systematisches Üben kommt bei mir oft etwas zu kurz.

Du spielst ausschließlich historische Instrumente von Martin, oder? Ist es DAS Instrument für alte Swing-Musik?

Pauschal würde ich das zwar nicht sagen, dafür sind Klangvorstellungen und Spielvorlieben zu subjektiv, aber für mich und viele andere ist es das. Und der legendäre Ruf der alten Martins kommt natürlich nicht von irgendwo! Die leichte Bauweise, die Martin damals perfektioniert hat, mit dünner Decke, wenig Verbalkung und sehr schmalem Hals führt zu maximaler Resonanz für so einen kleinen Korpus. Die Ukulelen sprechen schnell an, sind relativ laut, haben (besonders die aus Mahagoni) einen sehr warmen und holzigen, aber gleichzeitig bissigen Klang und spielen sich, wenn sie richtig eingestellt sind, wie Butter.

Das gesamte Interview findest du in der Neuausgabe.

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